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Es ist nicht alles Gold, was gl?nzt!

Bis jetzt läuft es ja, wie bereits berichtet, echt klasse in Holland, doch es gibt natürlich auch hier den ein oder anderen Düppi...

Klar könnte ich jetzt mit typisch deutsch-holländischen Klischees anfangen, wie zum Beispiel, dass jeder hier einen Wohnwagen hat, und die Niederländer nicht sehr gut Auto fahren können.
Aber ich sag es Euch nun mal aus erster Hand:
Nicht jeder Holländer hat einen Wohnwagen. Die Holländer fahren auch nicht schlecht Auto.
Sie fahren katastrophal!
Als ich hier rüber gefahren bin, um meinen Dienst anzutreten, sind mir sofort einige Dinge auf den holländischen Strassen aufgefallen. Zunächst mal, das „Willkommen-in-Holland-Schild“ nach der Grenze. Das soll einen nicht wie normalerweise, freundlich willkommen heißen, sondern einen lediglich milde auf das darauf folgende Schild, am Straßenrand, stimmen. Darauf steht nämlich der Grund, warum ich sofort in Tränen ausgebrochen bin und kurzfristig ans umdrehen gedacht habe…

Nur vier kleine Zeichen, die mir seither schlaflose Nächte bereiten:
Ein Autobahnsymbol, dahinter eine Eins, eine Zwei und eine Null. 120!
In Worten hundertzwanzig, hundertzwanzig, hundertzwanzig Km/h Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn! Hundertzwanzig, da verreckst ja!

Das zweite, was mir kurz danach auffiel, war, dass die Hollies auch Blitzer haben.
Und zwar die, die das Auto von hinten fotografieren. Mit einem weißen Blitz! Bis man das merkt, ist man ja erst mal durch vier Kontrollen durchgefahren. In Deutschland, da hat man den guten alten roten Blitz, der von vorne kommt. Voll ins Gesicht, nicht feige von hinten, wo man ihn fast nicht bemerkt. Der guuuuute alte rote Blitz, der sich so sehr in Deine Iris einbrennt, dass Du Dich noch Stunden später daran erinnerst, dass Du langsamer fahren sollst.
Ihr seht, wie traumatisch dieses Erlebnis für mich war, da ich jetzt schon von diesen bekackten Blitzern schwärme… Unfassbar! Die sind neben den männlichen Politessen eigentlich immer die größte Hasskappe gewesen.

Ok, es waren also noch 130km von der Grenze bis nach Amsterdam. In Deutschland wäre das noch ne Stunde Fahrt. Hier in den Niederlanden sind das Dank der erlaubten Höchstgeschwindigkeit und der Verkehrsteilnehmer noch drei Stunden.

Die Verkehrsteilnehmer… da ist schon das nächste Stichwort.
Wovor die Furcht? Warum das unmotivierte Bremsen? Warum 100km/h, wenn ihr doch schnelle 120km/h fahren dürftet? Warum linke Spur, wenn ihr doch rechts fahren könntet? Und warum, zur Hölle, benutzt ihr eure Rückspiegel nicht… Warum???

Würdet ihr diese kleinen Regeln benutzen und euch nicht sooo sehr auf diese anderen Regeln, auf Grund derer ich schlecht schlafe, versteifen, dann müsste ich nicht jedes Mal, wenn ich nach Amsterdam reinfahre, im Stau stehen. Doch auch in Amsterdam selbst: Nur Autohasser! Ich glaube hier regiert die Partei „Den Autofahrern auf den Sack gehen“.

Holland ist flach! Der höchste Berg hat 300m. Und die zweithöchsten Berge sind die Huckel, die die „Den Autofahrern auf den Sack geh“-Partei hier mitten auf die Straßen baut. Und ich rede nicht von Geschwindikeitsregulierungshügelchen in einer Tempo 30 Zone (das ist ja auch sinnvoll). Ich rede von diesen Mount Everests, die lotrecht vom Boden nach oben gehen und bis in die Stratosphäre reichen, die sich auf Hauptverkehrsstraßen befinden. Du bist alle 50m damit beschäftigt, in einer 50km/h-Zone hart auf 20km/h runter zu bremsen, nur um deine Stoßdämpfer nicht komplett zu zerlegen…

Moment mal… Jetzt geht mir ein Licht auf..! Daher kommt wohl auch das unmotivierte Bremsen auf der Autobahn. Die Biologie nennt das soweit ich weiß „klassische Konditionierung“… Vielen von Euch sicher durch die Versuche von Ivan Petrovic Pavlov (1849-1936) bekannt.
Der gemeine Holländer an sich, hat also dieses abrupte Bremsen, nach 50m, schon so in seinen Fahrstil mit aufgenommen, dass er es einfach nicht hinbekommt, dieses auf der Autobahn abzustellen.
Ganz ehrlich. Man darf den Holländern also nicht böse sein, sie können ja nichts dagegen tun. Das ist eben schon konditioniert… Vielleicht sogar vererbt… Wer weiß? Mittlerweile ist das ja vielleicht schon evolutionär bedingt.

Wie soll ein Holländer denn auch Auto fahren können, wenn er nicht schnell fahren darf, ihm immer wieder Berge auf die Straße gelegt werden, und die Industrie es nicht gebacken bekommt, ihnen Rückspiegel in die Autos zu bauen??? Vielleicht wisst Ihr es? Ich weiß es nicht!

Habt also Nachsicht (oder Vorsicht)!

Ich versuche auch sie zu haben, wobei mir das etwas schwerer fällt, als Euch. Ihr habt ja das Glück, dass Ihr nur in der Ferienzeit mit den Oranjes zu tun habt. Ich muss mit Christopher viermal die Woche 20km nach Bloemendaal fahren.
Letztens haben wir ungelogen zwei Stunden gebraucht, da eine Brücke saniert wurde. Da kennen die Niederländer nix: Da muss saniert werden, da leiten wir die Autos mal eben über die nördliche Mongolei um.
Der Stau war so lange, dass wir (wir hatten noch einen Mitspieler dabei), als wir in Haarlem an einer Frittenbude vorbeikamen, beschlossen haben, Christopher noch schnell aussteigen zu lassen, um uns einen kleinen Pommessnack zu holen, während die Schlange von Autos sich im Schneckentempo weiterbewegt hat.
Nach drei Kilometern in strömendem Regen hatte uns Christopher dann auch wieder eingeholt. Mit einer Atomkrawatte zwar, weil er komplett durchnässt war, aber auch mit zwei großen Papptellern Fish and Chips.
Die zu essen, war aber ziemlich dumm von uns!

Ich weiß ja nicht, ob ihr schon mal so fett unmittelbar vor dem Training gegessen habt, aber das war kein Spaß! Gott sei Dank, waren wir so krass zu spät, dass wir nicht sehr lange auf dem Platz rumhüpfen mussten.

Das war sicher das letzte Mal, dass wir unsere Wartezeit mit Fish and Chips verkürzt haben.
Aber ganz sicher nicht das letzte Mal im Stau in Holland…

 

Besten Gruss

Philipp

 


 
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